UND JETZT
Laura Mercedes Arndt


Eröffnung: 12. Februar 2026, 19:00 Uhr

Dauer: 13. Februar 2026 – 1. März 2026
Öffnungszeiten: Freitag – Sonntag, 13:00 – 18:00

Androgyne Figuren tanzen im Kreis, knien nieder, stehen auf. Laura Mercedes Arndts Malerei operiert mit Wiederholung und Reduktion. Ihre Bilder zeigen Figuren in Gruppen, angeordnet in Kreisen, Reihen oder lockeren Verbünden. Die Landschaften, in denen diese Körper erscheinen, sind kaum mehr als durch den Horizont geteilte Flächen.

Die 1999 geborene Malerin, die im letzten Jahr ihr Studium an der Kunsthochschule Weißensee abschloss, arbeitet mit kunsthistorisch stark aufgeladenen Bildtypen: Reigen, Pietà, Kreuzabnahme, Auferstehung. Statt zu zitieren, um so die ursprüngliche Bedeutung zu bestätigen, werden sie von Arndt formal und strukturell untersucht. Es ist die Bildlogik solcher Darstellungen, die die Künstlerin fasziniert: die Gruppierung der Körper, ihre Ausrichtung zueinander, die Frage von Halt, Nähe und Abhängigkeit.

In der vereinheitlichten Abstraktion der Figuren tritt die Individualität zugunsten eines Typus zurück. Geschlechtliche Zuschreibungen werden bewusst unterlaufen: Die Körper sind ähnlich gebaut, tragen identische weiße Hosen, zeigen keinerlei eindeutige Merkmale und ähneln doch ein wenig ihrer Schöpferin. Die Vereinheitlichung verschiebt den Fokus so weg vom Einzelnen hin zur Konstellation. Auffällig ist dabei die frontale Monumentalität der Figuren, deren Körper weder idealisiert noch expressiv, sondern funktional, ja, fast in sich ruhend erscheinen. Ganz ohne heroische Dominanz erzeugt ihre Größe eine freundliche Präsenz und ähnelt darin weitaus mehr Traditionen protestantischer Kirchenmalerei, denn dem sozialistischen Realismus.

Die Kreaturen auf Arndts Gemälden lassen sich in ihrer Grobheit gleichermaßen archaisch wie futuristisch lesen, während Farbigkeit, Kompositionen und Körperstrukturen dabei Zeitgenossinnen wie Conny Maier, doch auch den DDR-Maler Willi Sitte, den Brücke-Künstler Ernst Ludwig Kirchner oder den Fauvisten Henri Matisse ins Gedächtnis rufen. Doch während zumindest die letzteren den Bildraum illusionistisch entfalteten, verweigert Arndt ihren Betrachtenden die optische Tiefe. Stattdessen werden Körper und Landschaft gleichbehandelt, strukturell angeglichen: Beide sind gegliedert, segmentiert, flächig organisiert. Die Landschaft dient als abstraktes bildnerisches Prinzip, als Bühne für die Gemeinschaft der Motive, die in ihrer gesetzten Wiederholbarkeit und trotz der dichten historischen Bezugnahme doch so gar nicht ideologieverseucht erscheinen – und jetzt? Bleibt im flächigen Kondensat Laura Mercedes Arndts die Zurücknahme individueller Differenz zugunsten kollektiver Lesbarkeit die eigentliche Utopie.

Hilka Dirks