prospect_007 (barnard's star)

space mining – Anina Brisolla

Opening event: Thursday 31.5.2018 | 19:00
Duration: 1.6.2018 – 24.6.2018
Opening hours: Friday to Sunday | 13:00 – 18:00
 and by appointment

 

„space mining“ bezeichnet Konzepte für Abbauverfahren von Rohstoffen im Weltraum. In zwanzig Jahren wird es wahrscheinlich möglich sein diese Verfahren anzuwenden, so
prognostizieren optimistische Wissenschaftler. „space mining“ würde dann einen enormen Effekt auf die Weltwirtschaft haben. Schon jetzt wird von der „New Space Economy“ gesprochen. Der nächste Goldrausch scheint nur noch eine Frage der Zeit.

1967 wurde von vielen Erdstaaten der «Weltraumvertrag» ratifiziert. Dieser schreibt fest, dass die Erforschung und Nutzung des Weltraums nur zum Nutzen und im Interesse aller Staaten und zu friedlichen Zwecken erfolgen darf. Kein Staat darf  Souveränitätsansprüche geltend machen oder andere Staaten von der Erforschung und Nutzung des Weltalls ausschließen. Es gibt mehrere andere Verträge, die den Weltraumvertrag von 1967 erweitern oder präzisieren. Die «zivile Nutzung» von Planeten, Monden und Asteroiden ist in dem Dokument ausdrücklich erwünscht. Zu jener gehört auch die wirtschaftliche Nutzung, also beispielsweise der Abbau von Ressourcen. Aber: Wem gehören die Ressourcen, die auf einem Asteroiden geschürft werden, der
niemandem gehört? Wem gehört der Weltraum?

2015 haben die USA ein neues Gesetz erlassen, den sogenannten SPACE Act of 2015. Dieser ermöglicht es Unternehmen des Landes offiziell, kommerziellen Bergbau im All zu betreiben. Luxemburg ist das erste europäische Land, das 2017 ein ähnliches Gesetz verabschiedete. Immer mehr Privatunternehmen werden nunmehr im Weltall aktiv.
Der luxemburgische Gesetzesentwurf basiert auf dem Hochsee-Gesetz. „Weltraumressourcen werden auf die gleiche Weise behandelt, wie Fisch und Schalentiere.“ sagt Jean-Louis Schiltz, Jurist und ehemaliger Minister Luxemburgs.

Die Suche nach Ressourcen hat schon immer den menschlichen Geist beflügelt, das Bemühen darum hat die Menschheitsgeschichte nachhaltig geprägt. Die Globalisierung hat die Welt abermals neu kartiert und eine Endlichkeit der Rohstoffe offengelegt. Es wird sich zeigen, welchem Muster die zunehmende privatwirtschaftliche Nutzung
des Weltalls folgen wird.

„space mining“ muss also für die Akteure wie eine konsequente Fortschreibung der Geschichte scheinen, eine logische Weiterentwicklung zum ökonomischen Wohle der menschlichen Spezies. Eine Entwicklung, die ebenfalls großen Profit verspricht...
Die Ausstellung „space mining“ setzt an diesem Punkt an, reflektiert künstlerisch das Thema und hinterfragt die Motive der Akteure.

Die (großformatigen) Zeichnungen der Serie „prospect“ setzen sich mit den Hoffnungen und Träumen der Menschen im Zeitalter des Anthropozän auseinander, das - geprägt von
Untergangsvisionen und Dystopien - Traumbilder produziert, die als Erlösungsfantasien gelesen werden müssen. Dass diese Vorstellungen dabei Altbekanntes reproduzieren und selbst Illusion sind, wird in der Serie verhandelt.

„prospect“ gegenüber befindet sich „8 Milliarden (M 1:200.000)“. Die Arbeit aus 40.000 kleinen, schwarzen Steckperlen nimmt skulptural Bezug auf die aktuelle Weltbevölkerung. Als Gegenbild zu den menschenleeren Landschaften konkretisiert die Arbeit die pure Masse menschlicher Existenz im Maßstab einer detaillierten regionalen Landkarte.

Den Übergang vom oberen Geschoss ins Souterrain markiert eine bisher noch unbetitelte Arbeit, die aus Luft und Latex besteht: Ein schwarzer Riesenballon füllt vollständig aufgeblasen den Raum über der Treppe. Er kann nicht schweben, sondern ist in die Kubatur des Treppenraumes eingeschlossen.

Im Souterrain schließlich ist eine großformatige Videoinstallation zu sehen. Die Animation „space mining“ macht das Drama menschlicher Sehnsüchte und das zerstörerische Potential wirtschaftlicher Interessen zum Motiv. Der Film „Greed“ (1924) von Erich von Strohheim bildet den Subtext dieser visuellen Reflexion. In „Greed“ gibt es keinen positiven Helden: Alle Protagonisten sind selbstsüchtig und machen sich schuldig.

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www.aninabrisolla.com